Werden die Menschen wirklich immer älter?
- Dienstag, 17. Oktober 2006, 21.00 - 21.45 Uhr
Leben nach Zahlen
Jeder weiß es: Die Römer lebten nicht länger als 35 Jahre, dafür steigt heute rasant die Zahl der rüstigen Rentner, und es gibt Inseln wie Kreta oder Landstriche wie den Kaukasus, die geradezu als Hort der Hundertjährigen bekannt sind. Doch all das sind eigentlich Zahlenspielereien mit der Statistik, genauer: mit der Art und Weise, wie man das durchschnittliche Lebensalter, Sterbedaten und Lebenserwartung berechnet.
Hier ein kleiner Dschungelführer:
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Irgendwann stirbt jeder mal. Todesursache und Sterbealter werden in der amtlichen Sterbestatistik erfasst
Das Durchschnittsalter eines Landes berechnen
Experten, indem sie das Alter aller Bewohner durch die Anzahl aller
Bewohner teilen. Gibt es also viele Kinder, ist das
Durchschnittsalter niedrig; überwiegend ältere Menschen,
so ist das Durchschnittsalter hoch. Daher hat Monacos
Bevölkerung mit 45,4 das höchste; Uganda mit 15 Jahren
das niedrigste Durchschnittsalter. Das Durchschnittsalter in
Deutschland beträgt übrigens 42,6 Jahre.
Das mittlere Sterbealter einer Bevölkerung
bezeichnet das durchschnittliche Alter zum Zeitpunkt des Todes. In
der Medizin wird auch das mittlere Sterbealter bei bestimmten
Krankheiten verwendet. So ist das mittlere Sterbealter von
Krebskranken höher als das mittlere Sterbealter von Menschen
mit Herz- und Kreislauferkrankungen.
Die Lebenserwartung ist definiert als die
erwartete Zeitspanne, die einem Lebewesen ab einem bestimmten
Zeitpunkt noch bis zum Tode bleibt. Im allgemeinen Sprachgebrauch
versteht man unter der Lebenserwartung die durchschnittliche
Lebensspanne bei der Geburt. Sie entspricht dann dem mittleren zu
erwartendem Sterbealter der Neugeborenen. Während das mittlere
Sterbealter auf einen tatsächlich gemessenen Wert beruht
– die Todesdaten werden empirisch ausgezählt - ist die
Lebenserwartung also eine reine Vorhersage, eine Hochrechnung aus
der Statistik.
Im Mittelalter nur 35 Jahre im Durchschnitt
Die Werte der mittleren Lebenserwartung sind erst in den vergangen 160 Jahren deutlich angestiegen. Noch 1840 wurden schwedische Frauen mit 40 Jahren im Schnitt am ältesten. Heute sind es die Japanerinnen, die mit 86 Jahren den Rekord halten. Dazwischen verläuft der Anstieg der Lebenserwartung konstant: Jedes Jahr kommen drei Monate hinzu. Die Ursache für diesen Anstieg liegt vor allem in der besseren Gesundheitsversorgung, Ernährung und Hygiene. Das war vor Mitte des 19. Jahrhunderts noch ganz anders, weil man über Infektionskrankheiten wenig wusste. In dieser Zeit war die Säuglings- und Kindersterblichkeit besonders hoch. Hatten die Menschen aber die Risiken der Jugendjahre überstanden, konnten sie auch damals ein hohes Alter erreichen. Wenn also davon die Rede ist, dass im Mittelalter die Lebenserwartung nur 35 Jahre betrug, heißt das ganz und gar nicht, dass die Mehrheit mit Mitte Dreißig starb. In der Statistik ziehen die vielen an Krankheiten gestorbenen Kinder, die im Kindbett gestorbenen jungen Frauen sowie die jungen Männer, die in den Kriegen umkamen, den Wert nach unten.
Gutes Leben – hohes Alter
Wer sich aber einen geruhsamen Alltag, Ärzte und eine gute Ernährung leisten konnte – das traf vor allem für Gebildete, Adlige und Geistliche zu – der lebte schon damals viel länger als es die mittlere Lebenserwartung vorhersagte: Die antiken Philosophen Aristoteles und Seneca wurden über 60 Jahre alt, Karl der Große ebenso. Die mittelalterliche Äbtissin Hildegard von Bingen starb mit 81, Goethe wurde 83 und Isaac Newton 84 Jahre alt.
Auch heute noch gilt, dass der Lebensstil und Umweltfaktoren zu zwei Dritteln die Lebenserwartung bestimmen. Das haben Vergleiche zwischen Zwillingen ergeben. Wie alt man also wird, ist weniger durch das Erbgut bestimmt, als durch die Umwelt und das Verhalten.
Wie alt werden wir?
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Wie alt wird Nils?
Um etwas über die zukünftige Lebenserwartung zu sagen, muss man bestimmte Vorraussetzung mit einbeziehen: Bleiben die Umweltbedingungen gleich? Wie entwickeln sich die Gesundheitsversorgung und die Ernährungssituation? Obwohl diese Faktoren natürlich nicht genau festliegen, können Experten Rahmenbedingungen für die Berechnung der Lebenserwartung stecken: Zum Beispiel erwarten sie, dass Gesundheitsversorgung und Medizin Fortschritte machen. Deshalb gehen die meisten Prognosen von einem weiteren Anstieg der Lebenserwartung aus. Damit die Lebenserwartung allerdings in dem Tempo ansteigt wie bisher, müssen auch ähnliche medizinische Revolutionen stattfinden.
: Hilmar Liebsch
Stand: 22.10.2006, 11:04 Uhr
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