Was macht eigentlich das Statistische Bundesamt?
- Dienstag, 17. Oktober 2006, 21.00 - 21.45 Uhr
Zahlen, bitte!
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Lange Flure – zahllose Büros: 2800 Mitarbeiter bearbeiten jährlich 390 verschiedene Statistiken
Wenn es darum geht, zu erfahren, wie viele Menschen in Deutschland leben, welche Waren importiert und exportiert werden oder wie sich die Preise entwickelt haben, dann ist eine Behörde immer mit im Spiel: das Statistische Bundesamt. Rund 2800 Zahlenexperten verfassen hier jedes Jahr rund 390 verschiedene Statistiken zu Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt. Hier werden so wichtige Fragen beantwortet wie:
- Auf wie vielen Quadratmetern leben die Deutschen im Durchschnitt?
- Wieso kann sich Deutschland Exportweltmeister nennen?
- Wie viele Erwerbstätige gibt es hierzulande?
- Wohin reisen die Deutschen im Urlaub?
- Wie viele Jahre habe ich zu leben?
Kein Selbstzweck
Das Statistische Bundesamt entscheidet nicht selbst, was gezählt wird, sondern erhält seine Aufträge vom Bundestag oder der EU. Für jede Statistik wird also eigens ein Gesetz erlassen. So soll dafür gesorgt werden, dass die Statistiken immer auch eine gesellschaftlich relevante Frage behandeln. Nur dann treten die amtlichen Zahlenexperten in Aktion.
Anfänge nach dem Krieg
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Immer noch kommt ein Teil der Daten auf Papier. Sie werden dann eingescannt
Den Anstoß zur Gründung einer Statistikbehörde gaben die Militärregierungen der westlichen Besatzungszonen gleich nach dem Ersten Weltkrieg. 1950 wird daraus das Statistische Bundesamt, 1954 bekommt die junge Behörde in Wiesbaden ein eigenes Gebäude. Nur drei Jahre später kommt die erste Statistik zu Bevölkerung und Erwerbsleben heraus, der Mikrozensus. 1987 geriet das Statistische Bundesamt monatelang in die Schlagzeilen: Die Volkszählung erhitzte die Gemüter. Seit 1991 wird eine gesamtdeutsche Statistik geführt und seit 1996 ist das Statistische Bundesamt im Internet vertreten. Im Jahr 2006 hat das Amt immer noch seinen Hauptsitz in Wiesbaden, mit zwei Nebenstellen in Bonn und Berlin. Die Daten werden mittlerweile fast vollständig digital verarbeitet, nur noch ein kleiner Teil kommt auf Papier an und wird dann eingescannt.
Vieles ist freiwillig, doch nicht alles
Der Großteil der Zahlen stammt aus den einzelnen Bundesländern, in denen die Statistischen Landesämter ihre eigenen, länderspezifischen Daten erheben. So werden etwa die Verbraucherpreise oder Wohnraumdaten erst auf Länderebene erfasst und dann an das Statistische Bundesamt weitergeleitet. Die Ergebnisse dürfen nicht davon abhängig sein, ob die Befragten freiwillig mitmachen, daher gibt es bei vielen Erhebungen eine Auskunftspflicht. Unternehmen und Gewerbebetriebe müssen zum Beispiel ihre Angestelltenzahlen oder ihren Umsatz offen legen. Und auch Privatmenschen müssen dem Amt gelegentlich Rede und Antwort stehen: so bei der Volkszählung 1987, die viel Widerstand hervorrief. Drücken ging nicht - es war eine Vollerhebung, alle deutschen Haushalte wurden befragt. In der Regel macht das Statistische Bundesamt aber nur Stichproben. Es ist also eher Zufall, wenn ein Fragebogen des Statistischen Bundesamtes ins Haus segelt. Wenn man dabei zum Beispiel angeben soll, wie lange man schläft und womit man seine Zeit verbringt, dann handelt es sich um die Zeitbudgeterfassung. Die wird etwa alle zehn Jahren durchgeführt und dient z.B. Medizinern als Grundlage, wenn sie z.B. beurteilen wollen, ob jemand besonders kurz schläft, oder ob er im Schnitt liegt. Die Antworten auf die Zeitbudgeterhebung sind allerdings freiwillig.
Rein und raus
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Seit 1950 geht es in Deutschland stetig aufwärts: Die Außenhandelsbilanz
Die größte Einzelstatistik, die das Statistische Bundesamt führt, ist die Außenhandelsstatistik. Sie gibt an, wie viele Waren ein- oder ausführt werden. An ihr erkennt man welche Rolle Deutschland als Exportnation spielt. Alle ein- und ausgeführten Waren ab einem Wert von 1000,-€ werden darin erfasst. Der Warenverkehr mit EU-Staaten wird getrennt vom Warenverkehr mit Nicht-EU-Staaten aufgenommen. Etwa 15 Millionen Datensätze kommen so zusammen. Zieht man die eingeführten Warenwerte von den exportierten Warenwerten ab, so erhält man die Außenhandelsbilanz. Die Grafik links zeigt, dass Deutschland eine positive Außenhandelsbilanz hat: Deutschland ist Exportweltmeister.
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Erschreckende Talfahrt: Handel mit China
Interessant ist im Vergleich dazu die Bilanz zwischen Deutschland und China in der Abbildung darunter: Es ist klar zu sehen, dass China in den letzten zehn Jahren deutlich mehr Waren nach Deutschland exportiert hat, Tendenz steigend. Die Kurve sieht beeindruckend aus - wenn man jedoch auf die absoluten Warenwerte schaut, dann wird klar, dass der Handel mit China nur ein Zehntel des Gesamtwarenverkehrs ausmacht. Dass also ausgerechnet chinesische Kissen und Spielsachen die deutsche Wirtschaft ruinieren, braucht man nicht zu befürchten.
Daten für alle
Die Zahlen und Statistiken des Statistischen Bundesamtes verschwinden nicht im Orkus - sie sind für jedermann zugänglich. Statistiken und Veröffentlichungen können zum Beispiel über das Internet abgerufen werden. Es ist aber auch möglich, Fachleute des Statistischen Bundesamtes im Datenbestand recherchieren zu lassen. Wer also wissen möchte, ob seine Wohnung im Schnitt liegt, seine Freizeitbeschäftigung normal ist oder ob er mehr verdient als der Durchschnittsdeutsche, der kann in Wiesbaden die Vergleichsdaten erfragen, per Mail oder per Telefon (mehr Informationen dazu auf der Internet-Seite der Behörde, s. Linktipps). Übrigens sind die Daten anonym. Wer also wissen möchte, was der Nachbar verdient, ist beim Statistischen Bundesamt falsch.
: Hilmar Liebsch
Stand: 22.10.2006, 11:04 Uhr
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