Das Jobangebot

  • Dienstag, 17. Oktober 2006, 21.00 - 21.45 Uhr

Szenenbild aus der Sendung Quarks & Co

Blanke Zahlen und Gefühl sind zwei völlig verschiedene Welten und häufig führt uns unser Gefühl aufs Glatteis, selbst wenn es um lebenswichtige Zahlen geht, wie beispielsweise das Gehalt. Schließlich will jeder von uns doch gut bezahlt werden für seine Arbeit.

Nehmen Sie an, Ihnen wird ein Jobangebot gemacht: Sie bekommen ein Jahresgehalt von 10.000.- €uro. Außerdem bietet Ihnen der Arbeitgeber eine regelmäßige Gehaltssteigerung an. Sie dürfen wählen ob Sie entweder

A) nach jedem Jahr, das Sie gearbeitet haben, 1000.- €uro mehr bekommen, oder

B) nach jedem halben Jahr, das Sie gearbeitet haben 250.-€uro mehr bekommen.

Also halbjährlich 250.- €uro oder jährlich 1000.-€uro Gehaltssteigerung.

Das Angebot ist vom Arbeitgeber clever gewählt, denn die meisten Menschen würden sich für die Variante A entscheiden, für die 1000.-€uro Gehaltssteigerung auf das Jahresgehalt. Das klingt nach mehr – doch ein Geschäft machen bei dieser Variante nicht Sie, sondern das Geschäft macht der Arbeigeber. Wenn man die beiden Angebote nämlich einmal ausrechnet und vergleicht, ergibt sich, daß Sie mit Variante B, also den 250.- €uro Gehaltssteigerung aufs Halbjahresgehalt deutlich besser abschneiden. Aufgeschlüsselt sieht das so aus:

Jahresgehalt
Grundgehalt 10.000.-€uro plus die Gehaltssteigerung:
1. Jahr 2. Jahr 3. Jahr 4. Jahr 5. Jahr 6. Jahr
Variante A:
1000.- €uro mehr nach jedem Jahr
€ 10.000.- € 11.000.- € 12.000.- € 13.000.- € 14.000.- € 15.000.-
Variante B:
250.- €uro mehr nach jedem Halbjahr
€ 10.250.- € 11.250.- € 12.250.- € 13.250.- € 14.250.- € 15.250.-

Wenn Sie sich für Variante B entschieden hätten, wäre jedes Jahr mehr in Ihrem Geldbeutel als bei Variante A. Wie kommt das? Dafür muß man nur ein bißchen rechnen und die richtigen Grundlagen dafür wählen: Wenn Sie mal nicht aufs ganze Jahr rechnen, sondern wie es bei Variante B ja angeboten wird aufs halbe Jahr, dann sieht die Rechnung so aus:

Im ersten Jahr gibt es das Jahresgehalt von 10.000.-€uro, also 5000.- pro Halbjahr

Variante A:
1000.- €uro mehr nach jedem Jahr
1. Halbjahr 2. Halbjahr
aufs Halbjahr gerechnet € 5.000.- € 5.000.-

nach einem Jahr die erste Gehaltssteigerung von € 1000.-, insgesamt bekommen Sie jetzt €11.000.- , also 5.500.- pro Halbjahr

Variante A:
1000.- €uro mehr nach jedem Jahr
3. Halbjahr 4. Halbjahr
aufs Halbjahr gerechnet € 5.500.- € 5.500.-

nach dem zweiten Jahr wieder € 1000.- mehr, also insgesamt €12.000.- und aufs Halbjahr gerechnet 6000.- pro Halbjahr:

Variante A:
1000.- €uro mehr nach jedem Jahr
5. Halbjahr 6. Halbjahr
aufs Halbjahr gerechnet € 6.000.- € 6.000.-

Wenn Sie dieselbe Rechnung für Variante B aufmachen, dann sehen Sie schnell die Abweichungen: hier ist ja eine Gehaltssteigerung bereits nach einem halben Jahr versprochen und das sieht dann so aus:

Das Grundgehalt sind die €10.000.- , also ebenfalls 5000.- pro Halbjahr. Aber bereits nach einem halben Jahr bekommen Sie bei dieser Variante eine Steigerung von € 250.-

Variante B:
250.- €uro mehr nach jedem Halbjahr
1. Halbjahr 2. Halbjahr
aufs Halbjahr gerechnet € 5.000.- € 5.250.-

So bekommen Sie bereits im ersten Jahr bei dieser Variante € 250.- mehr , als bei Variante A, also insgesamt €10.250.-. Im darauffolgenden Halbjahr bekommen Sie jetzt schon wieder eine Steigerung von €250.-, und nach einem weiteren Halbjahr wieder 250.- mehr:

Variante B:
250.- €uro mehr nach jedem Halbjahr
3. Halbjahr 4. Halbjahr
aufs Halbjahr gerechnet € 5.500.- € 5.750.-

Genauso geht es dann weiter:

Variante B:
250.- €uro mehr nach jedem Halbjahr
5. Halbjahr 6. Halbjahr
aufs Halbjahr gerechnet € 6.000.- € 6.250.-

Und wenn Sie beide Varianten in dieser detaillierten Rechnung vergleichen, sehen Sie sofort, daß Variante B die bessere ist – für Sie:

Jahresgehalt
Grundgehalt 10.000.-€uro plus die Gehaltssteigerung:
1. Halbjahr 2. Halbjahr 3. Halbjahr 4. Halbjahr 5. Halbjahr 6. Halbjahr
Variante A:
1000.- €uro mehr nach jedem Jahr
aufs Halbjahr gerechnet
€ 5.000.- € 5.000.- € 5.500.- € 5.500.- € 6.000.- € 6.000.-
Variante B:
250.- €uro mehr nach jedem Halbjahr
aufs Halbjahr gerechnet
€ 5.000.- € 5.250.- € 5.500.- € 5.750.- € 6.000.- € 6.250.-
Ihr Gewinn bei Variante B: + € 250.- + € 250.- + € 250.-


Unser Fazit: bei entscheidenden Zahlen, wie dem Gehalt, aber auch bei Krediten und allen anderen Geschäften mit Banken und Versicherungen, beim Preisvergleich und besonders, wenn es ums Geld geht, sollte man sich die Zeit nehmen und mit Zettel, Bleistift und Taschenrechner nachrechnen. Auf den ersten Blick sollte am nie vertrauen. Und: nicht die Zahlen lügen, sondern wir fallen auf uns selbst herein, wenn wir die Zahlen falsch interpretieren...



: Tilman Wolff


Stand: 22.10.2006, 11:04 Uhr



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